Wir haben dich jetzt adoptiert




Eines Tages, eines Tages, wenn du kommst
Werden wir dich weite Räume sehen lassen,
Eines Tages, eines Tages, wenn du kommst
Für dich halten wir die Zeit an, die vergeht
Wir machen Die ein freudiges Fest
Auf einer erfundenen Insel
Hervorgegangen aus unserem Kopf
ganz in den Farben des Sommers.

Stéphane Venne


In einem Maimonat haben wir beschlossen, das Abenteuer einer dritten Adoption zu wagen. Daher haben wir mit verschiedenen Vereinen und Hilfswerken für Adoptionen Kontakt aufgenommen, darunter auch mit "Emmanuel". Wir hatten mit unseren ersten zwei Kindern gute Erfahrungen bei der "Heilung" von physischen Missbildungen gemacht und waren bereit, erneut eine solche Aufgabe zu übernehmen.

Nach verschiedenen Gesprächen mit Freunden hatten wir den Eindruck, dass die Adoptionen in Thailand gut organisiert sind, und wir begannen, ein entsprechendes Dossier vorzubereiten. Nachdem alles bereit war, riefen wir, bevor wir das Dossier abschickten, Charly und Mireille an, die gerade von einem Mädchen mit einer ausgeprägten Hasenscharte wussten, das uns zur Adoption angeboten werden konnte. Es war am Vortag einer anderen Familie präsentiert worden, doch hatte es sich herausgestellt, dass es nach deren Vorstellung zu klein war.

Es gibt klar unerforschbare Wege...

Wir sprachen also mit Charly und Mireille im Chalet "Anawim". Sie erklärten uns die Situation des kleinen Mädchens, erzählten uns seine Geschichte und zeigten uns das erste Foto. Sie hatten uns wegen der Entstellung im Gesicht vorgewarnt, und wir waren etwas beunruhigt, als wir den Umschlag mit dem ersten Bild unseres Kindes öffneten. Sobald wir den Umschlag aufgetan hatten, verflogen unsere Bedenken rasch, und - trotz der Missbildung im Gesicht des kleinen Mädchens - erfasste uns sogleich das Gefühl der familiären Zusammengehörigkeit und der Verbundenheit mit dem Kind.

Die folgenden Monate nach diesem Besuch in Choëx dienten dazu, das Dossier abzuändern, um uns nach Moldawien statt nach Thailand zu begeben. Nach einigen Monaten, die uns reichlich lang erschienen, konnten wir im März endlich zu einer Begegnung mit unserer Tochter und ihrer Heimat abreisen. Diese Reise war ein echtes Abenteuer, angefangen bei der Entdeckung von merkwürdigen Flugzeugen, in denen es sehr kalt (-15°C) werden konnte, dann bei der Ankunft in Chisinau, wo die Landschaft an diesem Ende des Winters die Traurigkeit der massigen und grauen Gebäude noch vermehrte.

Wir waren gegen Abend angekommen und unsere Ungeduld, unser Kind zu sehen, wuchs, bis wir endlich am nächsten Morgen zum Waisenhaus gehen konnten. Im Büro der Direktorin konnten wir unsere Kleine in die Arme schliessen und sie küssen. Die Erinnerung an diese erste Begegnung wird immer in unseren Herzen eingeprägt sein.

Während einer Woche verbrachten wir täglich einige Zeit in der Gruppe der Kinder, in der unsere Tochter lebte. Wir konnten feststellen, dass im Heim Disziplin herrschte. Aber sie hatte sehr schnell begriffen, dass sie sich dieser entziehen konnte, wenn wir da waren. Unsere Gefühle waren damals etwas gedämpft, da wir wussten, dass wir sie zurücklassen mussten, bis die Einsprachefristen gegen die Verfügungen der Behörden abgelaufen waren.

Der Monat, in dem wir warten mussten, bis wir nach Moldawien zurückkehren konnten, schien uns unendlich lang. Dies erlaubte uns dafür, unsere Gefühle mit unseren anderen Kindern zu teilen, die sich über die Ankunft dieser kleinen Schwester sehr freuten.

Gegen Ende April konnten wir endlich abreisen, diesmal mit der Gewissheit, mit unserer Tochter zurückzukommen. Bei unserer Rückkehr begrüssten uns unsere Kinder und die Grosseltern mit grosser Freude. Unser Sohn nahm ihre kleinen Hände in die seinen und sagte: "Wir haben dich jetzt adoptiert ..." Nach einem Monat des Lebens in der Familie, wo alles sehr schnell seinen Platz fand um den Neuankömmling herum, war es schon Zeit, ins Abenteuer der Spitalaufenthalte aufzubrechen, die das kleine Gesicht unserer Tochter verwandelten.

Anfangs August, nach dem zweiten und letzten chirurgischen Eingriff, haben wir unsere Tochter an einem strahlenden Sonntag einige Tage nach dem Fest der Verklärung des Herrn getauft, ganz symbolträchtig...

... Sechs Tage danach nahm Jesus Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg. Und er wurde vor ihren Augen verwandelt: Sein Gesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden blendend weiss wie das Licht. Da erschienen plötzlich vor ihren Augen Mose und Elija und redeten mit Jesus. Und Petrus sagte zu ihm: Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Noch während er redete, warf eine leuchtende Wolke ihren Schatten auf sie, und aus der Woke rief eine Stimme: "Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören !" (Mt 17, 1-5)

Was ihre Behinderung betrifft, wissen wir, dass der Mensch, wie es das Wort Gottes sagt, auf das schaut, was in die Augen sticht (und es ist wahr dass ihre Verschiedenheit sofort ins Auge fällt), aber wir wünschen, dass sie für sich selbst entdeckt, wie wir es für uns getan haben, dass der ewige Gott auf das Herz schaut (1 Sam 16,7).

Jetzt, ein bisschen mehr als ein Jahr später, ist unsere kleine Tochter ein zusätzlicher Sonnenschein in unserer Familie und strahlt jeden Tag zusammen mit ihren Brüdern und Schwestern.

von J.-P. und P.