Die Liebe zähmen ...

Wir haben zwei eigene Kinder, ganz gesunde und pflegeleichte, und hatten den Wunsch, unsere Familie und unsere Herzen einem verlassenen, verwundeten Kind zu öffnen, um mit ihm die Freude zu teilen, Liebe zu erfahren.

Am 7. August 1998 haben wir den schweizerischen Boden verlassen, um eine intensive Erfahrung eines wunderbaren Familien-Abenteuers zu machen. Dieses Abenteuer, das die Adoption ist, begann für uns 1993. Nach einer Zeit der Überlegung und administrativer Eingaben, haben wir zuerst einen Weg eingeschlagen, der sich verschlossen hat. Ein wenig ratlos und nicht wissend, an welche Tür anklopfen, haben wir Gott gebeten uns zu sagen, was Er für uns bereit hielt. Als Nicole um die Adoption betete, hat sie im Gebet das Wort "Emmanuel" vernommen; wir haben uns gesagt, dass man uns vielleicht eines Tages ein Kind dieses Namens vorschlägt oder dass Gott uns etwas durch diesen Namen, der "Gott mit uns" bedeutet, schicken wird.

Am folgenden Tag, als wir eine Liste von Adoptions-Vermittlungen einsahen, entdeckten wir den Verein "SOS Emmanuel" und gerade in diesem Augenblick wurden wir zur Adoption eines behinderten Kindes aufgerufen.

Da haben wir uns nicht wenige Fragen gestellt: "Warum wir? Wie werden wir damit zurechtkommen? Was wird sein, wenn es gross ist? usw..." Bis jetzt haben wir immer noch keine Antworten auf all unsere Fragen, aber wir danken dem Herrn, dass er uns die Überzeugung gab, dass dieses Projekt, das am 8. August 1998 mit unserer Ankunft in Bombay Wirklichkeit wurde, Sein Wille sei für unsere Familie.

Was wussten wir vor unserer Abreise über unsere zukünftige kleine Tochter ?

  • dass sie Neeta (ausgesprochen Nita) hiess, was integer, geführt, geleitet heisst,
  • dass sie eineinhalb Jahre alt war,
  • dass sie ohne Beine geboren wurde,
  • dass die Eltern sie zur Adoption gegeben haben, weil sie ihr eine bessere Zukunft und medizinische Versorgung wünschten,
  • dass sie ein sehr hübsches niedliches Gesichtchen hatte, aber immer trauriger auf den Fotos ausschaute, die wir jeden Monat erhielten.

Für unsere Familie war diese Reise nach Indien wie eine Geburt, bei der alle ihre Leiden und Freuden hatten...

Tatsächlich war die Zusammenführung nicht leicht. Neeta hat uns zuerst zurückgewiesen, sie wollte nicht mit uns abreisen (sie wusste ja nur, was sie hatte, aber nicht, was wir ihr zu bieten wünschten). Was für ein Geschenk und eine Freude ist es, der Auferstehung eines Kindes, unseres Kindes, unserer Tochter (Schwester) beizuwohnen, je länger wir uns gegenseitig vertraut machten.

Wir hielten uns einen Monat in Indien auf, die Zeit um die Papiere von Neeta in Ordnung zu bringen, wir waren ja nicht für eine Vergnügungsreise gekommen. Wir kamen mitten in der Regenzeit an; nachdem wir den Schock der Temperatur (35-40°), der Feuchtigkeit, der Gerüche, des Lärms, des Elends erlebt hatten und nach vier Tagen mit den Füssen im Wasser in Bombay, haben wir Neeta im Waisenhaus abgeholt und sind weiter in den Süden nach Goa aufgebrochen (650 km entfernt, am Meer gelegen), wo die Sonne es gut mit uns meinte. Wir haben uns an diesem idyllischen Ort ausgeruht und der neu Dazugekommenen einen Platz in unserer Familie bereitet.

Nach Bombay zurückgekehrt, konnten wir während drei Tagen das Leben im Waisenhaus der "Schwestern der Nächstenliebe" sehen und den Pass, das Visum, das ärztliche Gutachten erhalten, was uns erlaubte, alle zusammen heimzukehren, am 3. September 1998.

Von unserer Indienreise bringen wir im Gepäck eine zu liebende kleine Tochter mit, Bilder und Andenken auf Film und in unseren Herzen, die ersten Seiten eines neuen Kapitels im Leben unserer Familie, unserer Liebesgeschichte...

Jetzt sind es mehr als zehn Monate dass wir mit Neeta zurück sind.

  • sie spricht Französisch wie wenn sie hier geboren worden wäre,
  • sie macht wunderbare Fortschritte und kann sich bewegen, mehr als wir es hofften,
  • sie hat Zeit gebraucht, bis sie uns Vertrauen schenkte, und ist noch in der Defensive,
  • sie hat einen sehr festen Charakter und hat es nicht gerne, getadelt zu werden.

Was ihre Behinderung betrifft, wissen wir, dass der Mensch, wie es das Wort Gottes sagt, auf das schaut, was in die Augen sticht (und es ist wahr dass ihre Verschiedenheit sofort ins Auge fällt), aber wir wünschen, dass sie für sich selbst entdeckt, wie wir es für uns getan haben, dass der ewige Gott auf die Herzen schaut (1 Sam 16,7).

Schön sagen es Magali und Robin: "Wenn Neeta uns in ihre Arme schliesst und sehr zärtlich wird, sagen wir uns, dass wir uns unsere Familie nicht mehr ohne sie vorstellen können!".

von Nicole und Salvatore